13.10.2017

Digital von Mensch zu Mensch


Dr. Alois Kogler

Beratungsleistungen via Internet erleben im deutschen Sprachraum derzeit einen regelrechten Boom. Dieser Trend macht auch vor psychologischer Beratung nicht Halt. Doch wie eingeschränkt ist die Kommunikation? Kann man damit auch schwere Erkrankungen behandeln? Und wie funktioniert Online-Beratung von Beschäftigten? Als wohl erfahrenster Anbieter von psychologischer Online-Beratung Österreichs weiß Dr. Alois Kogler uns diese Fragen zu beantworten.

Wir leben in einer Welt, in der wir Bankgeschäfte online abwickeln, im Internet eine Lieferung aus dem Supermarkt bestellen können und uns über Webinare weiterbilden. Immer mehr Dienstleistungen passieren online und die Kommunikation im Internet – ob schriftlich, per Audio- oder Videoverbindung – wird für uns mit jedem Tag selbstverständlicher. Bei Dienstleistungen medizinischer oder psychologischer Art bestehen für einige Menschen jedoch noch Hemmschwellen – wohlgemerkt in unseren Kreisen. Denn in den USA, Skandinavien oder Australien gehört die Online-Beratung auch bei solchen Themen zum Alltag, weiß Dr. Alois Kogler: „In Schweden ist eine Online-Therapie völlig üblich. Vor zwei Jahren hat dort sogar eine Online-Arztpraxis eröffnet.“ Wer also seinen Ausschlag oder den schmerzenden Hals über seine Webcam zeigt, wird diagnostiziert und erhält ein Online-Rezept für die richtige Behandlung.

 

Was sind Grenzen und Möglichkeiten der Online-Beratung?

Selbstverständlich gibt es in der Online-Arztpraxis Symptome und Erkrankungen, bei denen die körperliche Untersuchung oder sogar eine ambulante oder stationäre Behandlung notwendig ist. Das trifft laut Kogler auch auf die psychologische Beratung zu: „In Österreich ist eine Online-Psychotherapie derzeit nicht erlaubt, zahlreiche Studien zeigen aber, dass vor allem im Bereich leichter bis mittelschwerer Depressionen, Zwangs- oder Angststörungen sehr gute Erfolge zu verzeichnen sind – insbesondere mit Methoden der Verhaltenstherapie. Die Behandlung einer schweren Depression übers Internet halte ich jedoch nicht für möglich“, so Kogler, der seit dem Jahr 2000 eine psychologische Onlineberatung in seinem Institut für Psychosomatik und Verhaltenstherapie Graz anbietet. Die reine Beratung bietet jedoch bereits zahlreiche Lösungsansätze und Möglichkeiten, mit leichten bis mittelschweren Symptomen umzugehen: „Die Anfragen in unserem Institut bewegen sich von schweren Sucht- und Zwangsstörungen bis hin zu Fragen zu einer psychischen Krankheit. Die Beratung hilft dabei, den Krankheitswert und die Therapiemöglichkeiten einzuschätzen und informiert die Ratsuchenden über das Thema. Leute, die sich ansonsten nicht zu einem Therapeuten trauen oder denen das aus zeitlichen, finanziellen oder logistischen Gründen nicht möglich ist, können so erreicht werden.“

 

Ist die Online-Kommunikation eingeschränkt?

Laut Kogler zeigt sich in der Online-Beratung kaum eine Verschlechterung der Kommunikationsmöglichkeiten: „Es ist geradezu verwunderlich, wie schnell die Menschen in der schriftlichen Kommunikation auf den Punkt kommen. In unserem Institut haben wir darüber hinaus sehr zielführende Methoden entwickelt, um die emotionale Kommunikation der beiden Teilnehmenden zu verstärken. Die Online-Beratung kann natürlich auch Defizite in der Kommunikation aufweisen – die Vorteile gleichen dies jedoch aus.“ Dass ratsuchende Menschen in der Mailberatung ihre Gedanken für die Verschriftlichung selbst ordnen müssen, gilt als einer dieser Vorteile. Außerdem helfen die schriftliche Kommunikation und die Möglichkeit, nochmal nachzulesen, vielen Menschen, die Inhalte besser zu verstehen und zu verinnerlichen. 
Einer der größten Vorteile der Online-Beratung ist jedoch die mögliche Anonymität, beschreibt Kogler: „Besonders im Privatbereich melden sich Menschen, die sich in ihrer Situation niemals persönlich zu einem Therapeuten trauen würden.“ Dadurch ergibt sich auch eine wegfallende „Verpflichtung“ gegenüber der beratenden Person: „Man begibt sich nicht in eine Situation, aus der man nicht herauskommt. Wer sich anonym beraten lässt, hat immer die Option, sich zurückzuziehen. Das nimmt viel Last von den Schultern von introvertierten Persönlichkeiten.“

 

Ist die Online-Beratung auch im Unternehmensbereich sinnvoll?

„In erster Linie beschränken sich die Tätigkeiten im Unternehmensbereich auf Führungskräftecoachings oder Unterstützung beim Umgang mit anderen Mitarbeitern und Vorgesetzten“ beschreibt Kogler, der seit 1991 als Betriebspsychologe in zahlreichen Unternehmen tätig ist. Wohlgemerkt – das betrifft die Erfahrungen mit der Betreuung offline: „Die absolute Anonymität und natürlich auch Kosten- und Zeitersparnis erzeugen für Beschäftigte die Möglichkeit, sich auch mit ‚kleineren’ Themen wie Stress oder besonderen Herausforderungen an Experten zu wenden. Deshalb ist davon auszugehen, dass durch die Online-Beratung im Unternehmensbereich Menschen erreicht werden können, deren Probleme durch eine Beratung face to face erst gar nicht abgedeckt würde.“

Abschließend fasst Kogler zusammen: „Die psychologische Online-Beratung von Privatpersonen und Beschäftigten mag in anderen Ländern schon gängiger sein – in jedem Fall ist sie die absolute Zukunft auf dem Sektor der psychologischen Dienstleistungen.“

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